Keine Allgemeinplätzchen bitte!

Selbstdarstellungen langweilen. Meistens jedenfalls. Wir sind, wir haben, wir bieten an, unsere Produktpalette, unser Leistungsportfolio – alles grausam verquirlte Hilflosigkeiten. Am schlimmsten finde ich persönlich Unternehmensbotschaften, die sich den Anschein der besonderen Wertschätzung der Kunden geben wollen: “Der Mensch steht im Mittelpunkt” ist solch ein Allgemeinplätzchen.

Ja, wer denn sonst, möchte ich dem Verfasser zurufen. Aber ich kann seiner nicht habhaft werden, denn er verbirgt sich im Impressum oder im berühmten “Wir über uns” oder wird gar nicht erwähnt. Und was sollte er auch antworten? Tut mir leid, aber die Texte wurden vom Auftraggeber so lange rundgelutscht, bis nur noch Allgemeinplätze übrig blieben?

Ich erinnere mich gut an einen Auftrag, mit dem ich mich besonders schwer getan habe. Ich sollte einen Reisekatalog mit Text füllen. Hunderte von Hotels in dutzenden von Ländern und keines davon hatte ich je gesehen, geschweige denn besucht. Ich legte zwei Entwürfe vor, die im Auftraggeber-Gremium keine glücklichen Gesichter erzeugten. Den dritten Versuch unternahm ich spätabends, nach ausgiebiger Bild- und Textrecherche und schon mit leichten Verzweifelungsanwandlungen. Ich holte mir ein kühles Fläschchen Tavel aus dem Weinkeller, öffnete es und hörte Musik. Dirk_PortraitIrgend ein Popsong hatte eine Textzeile, deren Bedeutsamkeit locker mit dem Trocknen der Wandfarbe mithalten konnte. Aber suchend und sensibilisiert für jeden vorbeiziehenden Strohhalm hörte ich hin. “You are young, you are free and you can do, what you want”, dröhnte es mir entgegen.

Ich wandte mich meinem PC zu, rief meinen Reisekatalog-Text auf und hackte in die Tasten: “Du bist jung, Du bist frei und Du kannst tun, was Du willst…”. Tavel und blindwütender Entschlossenheit sei Dank, friemelte ich mein gesamtes, bis dahin verpöntes Werk auf belanglose Nullbotschaft um. Und siehe da – meine Auftraggeber fielen mir gleich am nächsten Vormittag  sinnbildlich um den Hals. Das, genau das wollten sie haben.

Warum ich das hier erzähle?

Weil ich glaube, dass wir im Kommunikationsgeschäft gelegentlich innehalten und uns auf unseren wirklichen Job konzentrieren sollten – Informationsvermittlung. Wir wandeln Botschaften in Information, in gedanklichen Mehrwert um. Wir sollten uns nicht an Manipulationen, Verschleierungen oder falschen Darstellungen beteiligen. Unser Rat ist teuer und muss deshalb verantwortlich sein. Wir brauchen dazu neben dem Handwerkszeug und dem Netzwerk eine Haltung zum Kunden, seinem Produkt und seinen Absichten.

Das Gleiche gilt für die eigene Selbstdarstellung. Und genau deshalb finden Sie hier einige, Ihnen möglicherweise ungewöhnlich vorkommende Seiten und Abhandlungen. Sie sind so wie ich.

Ich freue mich auf Reaktionen.

Herzlich
Dirk Lehnhoff

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